Wählen!

Ich geh wählen. Wie bei jeder Wahl, zu der ich eine Wahlbescheinigung mit der Post bekommen habe. Auch wenn ich länger krank war, mich im Ausland aufhielt – nichts konnte verhindern, dass ich meine Stimme abgab. Wählen ist Demokratie, gehört zu den allerwichtigsten europäischen Werten, die es zu schützen gilt. Mit einer Wahl legen wir den nächsten Pfad, auf der wir die nächsten Jahre, ja die Zukunft beschreiten wollen. Leider aber gibt es für die Zukunft, die über die nächste Legislaturperiode hinausgeht, keinerlei Wahlmöglichkeiten. Und genau das ist das Problem der Demokratie – und der europäischen Werte.

Welche Themen werden in der Zukunft relevant sein? Es dürfte allen Lesern klar sein, dass in zwanzig Jahren Pädophilie oder die Homo-Ehe keine bedeutende Rollen spielen werden. Was wir im Moment erleben im Wahlkampf zur #BTW13 ist ein Ausweichmanöver aller Parteien, niemand thematisiert die nächste Griechenland-Rettung, die Zukunft der EU, niemand betont die Dringlichkeit, einen Klima-Gau zu verhindern. Auch der „Zukunftsforscher“ Harald Welzer bemängelt, dass es keine demokratische Methode gibt, keinen Weisenrat gibt, der für längere Zeitspannen als nur vier Jahre zur Verantwortung gezogen würde. Er geht sogar noch weiter: bekennt öffentlich, dass er nicht wählt. Weil er die gewählten Parteien für so austauschbar hält, die einzelnen Parteimitglieder seien zu obrigkeitshörig – nicht zu wählen ist für ihn eine Form des Protests.

Dennoch, ich werde wählen gehen. Nicht weil ich von dem Wahlprogramm einer der Parteien überzeugt wäre, nicht weil ich aus Gewohnheit immer an der selben Stelle das Kreuzerl mache, sondern weil ich bestimmte Themen in der Zukunft – nach 2017 –  für wahnsinnig wichtig halte. Ich werden mich für Parteien und Kandidaten entscheiden, die dafür die überzeugensten Wege vorschlagen. Dazu gehört zum Beispiel der Weg, den Europa noch vor sich hat. Ja, dazu gehört auch die Frage, wie mit Griechenland weiter umgegangen werden soll. Wie wir aus den Staatsschulden herausfinden werden. Ob es noch Jahre braucht – wie Finanzminister Schäuble sagt – bis wir in Europa eine Bankenunion installiert haben, mit der nicht bei jeder Bankenkrise die Steuerzahler zur Kasse gebeten werden. Bisher waren das für alle Parteien keine Wahlkampfthemen, aber bald werden sie wieder Schlagzeilen machen, nicht zuletzt weil auch die deutschen Steuerzahler betroffen sein könnte. Europa und Klima, dass sind meine Zukunftsthemen – ich weiß, dass ich damit leben muss, dass es keine Partei gibt, die dazu die Lösungen parat hätte, und wenn, nicht alle davon verwirklichen könnte. Und ich weiß auch, dass der Gang zur Urne nur ganz wenig mit Mitbestimmung zu tun hat – aber er ist trotzdem unverzichtbar. Mir ist klar, dass das politischen Leben in dieser Zeit ganz andere Wege geht, als früher üblich. Und diese Wege werden umso wichtiger, je mehr Nichtwähler wir haben. Dennoch, ich bin überzeugt, wir brauchen beides. Das ist auch ein Grund, weshalb ich jetzt noch, wenige Stunde vor der Wahl, unbedingt diesen Blogeintrag schreiben wollte. Mein Aufruf: Äußert Eure politische Kritik auf allen Wegen, die Euch einfallen. Macht’s! Aber vergesst das Wählen nicht, denn der nächste Pfad kann auch die zukünftige Richtung Deutschlands andeuten.