Vernetzt!

So. Jetzt hab auch ich mal teilgenommen am Zündfunk/SZ-Netzkongress. Zum ersten Mal. Nicht zuletzt, weil dort auch Themen auf der Agenda standen, die eine Frage betreffen, die auch mir den Anlass für diesen Blog gegeben hat: Wie wird die Zukunft des Fernsehens aussehen? Hier meine Eindrücke:

Laut Ankündigung erschienen mir zwei Programmpunkte besonders interessant: Die eine Veranstaltung fand am Samstagnachmittag statt: „Netzjournalismus im Wandel“ war der Titel dieser Diskussionsrunde. Teilnehmer: Alexander von Streit von den Krautreportern, Marcus von Jordan von Torial, Sandra Zistl von den Hostwritern und zugeschaltet per Skype Juliane Leopold von Buzzfeed Deutschland. Moderiert hat Lutz Knappmann, stellvertretender Chefredakteur von Süddeutsche.de. Die Runde war spannend, denn da wurde die Zukunft der Medien konkret. Der Online-Magazin-Versuch der Krautreporter, die deutsche Ausgabe vom listing-Buzzfeed – beide stehen kurz vor dem Start. Dann die Journalisten-Netzwerke Torial und Hostwriter, die auch international agieren und soweit dabei gehen, dass bei Reisen Kollegen Kollegen helfen bei Übernachtungen oder Recherchearbeiten. Als Ersatz für Korrespondenten? Für Kollegen, die nicht für ein Haus arbeiten, dass – wie der BR – mit einem internationalen Netz von Mitarbeitern ausgestattet ist: Why not? Doch all das steckt noch – so mein Eindruck – in den Kinderschuhen. Bin dennoch gespannt, wie es weitergehen wird.

An einer Stelle allerdings viel mir auf, dass sich die ganze Runde erst mal auf Printjournalisten bezogen, ja, vielleicht auch seine Wurzeln dort hatte. „Journalisten müssen keine Marke sein“ – da waren sich alle einig. Ich glaube, ein Fernsehjournalist hätte da seinen Einspruch erhoben. Im Fernsehbereich weht da ein anderer Wind: wenn Kollegen Aufsager machen, Reporter im On interviewen, Sendungen moderieren – man sieht ihr Gesicht. Im Radio nicht und in der Zeitung schon gar nicht. Und das macht einen Unterschied. Den außer Acht zu lassen halte ich für falsch. Denn Fernseh-Gesichter machen auch keine schlechten Stories.

Ich denke, die Zukunft der Medien wird auch darin liegen, dass sich alle drei Medienformen – Fernsehen, Radio und Print – immer öfter miteinander vermischen, ähnlich wie es beim BR mit seinen Web-Dokus schon geschieht. Und da bin ich sehr gespannt, ob da in den nächsten Jahren nicht Seiten entstehen werden, die genau solchen Ansprüchen dienen. Simon Sturm hatte das in seinem Buch interessant beschrieben (lesenswert! toller Überblick).

Dann gab es da noch die Diskussion über die „Zukunft des Fernsehens – Fernsehen der Zukunft“ mit der BR-Fernsehdirektorin Bettina Reitz, Medienforscher Prof. Egbert van Wyngaarden, BR-Spielfilm-Redaktionsleiter Thomas Sessner und der Drehbuchautorin Zoë Beck. Der Einspielfilm zur Diskussionsrunde enthielt tolle Ausschnitte aktueller Web-Dokumentationen, wie zum Beispiel auch ein paar Bilder vom Sommerprogramm von quer. Ich war schon gespannt, was die Runde dazu sagen würde, wie sie das einschätzt, ich konnte ja die quer-Produktion am Rande auch mitverfolgen, da ich ja als Autor auch für quer arbeite. Dabei musste ich feststellen, dass die Diskussionsteilnehmer lange Zeit über Spielfilme, Serien, Netflix, maxdome sprachen, mit offenen Fragen, wie die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten mit ihrem Material umgehen sollten, ob es sich lohnt, bei Netflix Präsenz zu zeigen wenn gleichzeitig das Sendematerial in den Mediatheken kostenlos zur Verfügung steht. Offene Frage…

Dennoch waren es zwei spannende Tage, mit vielen spannenden Vorträgen und Diskussionen – so viele, dass ich keine Chance hatte, alle mitzubekommen – und das in so kurzer Zeit, dass bei vielen Veranstaltungen ich noch einige Fragen gehabt hätte. Weil ich nicht glaube, dass sich diese Fragen so schnell beantworten lassen, gehe ich jetzt schon davon aus, dass ich im nächsten Jahr wieder dabei sein werde – beim #zf42.