Sonne lässt die Krise dahinschmelzen

Hey, worüber sollte man sich da beschweren? 35 Grad Hitze, ich geh in kurzen Hosen zur Arbeit, weil ich bei diesem Wetter nicht anders kann, ich kann auch nicht einen Tag auf ein kühles Eis verzichten – diese Temperaturen lassen alle schlechten Nachrichten dahinschmelzen. OK, OK, die gibt es schon noch. Was Europa betrifft, ja klar, Griechenland wird irgendwann einen neuen Schuldenschnitt brauchen. Aber davon redet niemand im Moment, weder Frau Merkel noch Herr Schäuble – und auch die Opposition malt keinen Teufel an die Wand. Bei dem Wetter wäre das ja auch irgendwie abtörnend, oder?

Allerdings sehen die Dinge etwas anders aus, sobald die Sonne untergegangen ist. Mit kühlerem Verstand nehme ich zur Kenntnis, dass es sehr wohl Anzeichen gibt, dass Griechenland nur mit einem Schuldenschnitt weiterkommen wird und den werde unter anderem auch ich bürgen müsse. In der Wirtschaftswoche werden einige Politikwissenschaftler zitiert, die alle davon ausgehen, dass es früher oder später keine andere Möglichkeit mehr geben wird. Und was sagt Schäuble? „Der Schuldenschnitt war eine einmalige Veranstaltung“. Aha.

Aber das war noch nicht alles: Die Diskussion über die Eurobonds wird im Herbst wieder aufflackern, die Bankenunion wird ein Thema sein, die Einlagensicherung – alles Punkte, die besser zu regeln sind, sobald fest steht, wer künftig in Berlin das Sagen hat. Geduld ist in diesen Fall auch in Krisen gefragt. Die Krisenmanager in der Euro-Zone müssen also Nerven haben!

Aber nach der Bundestagswahl ist vor der Europawahl, die uns im nächsten Jahr bevorsteht. Und auch da gibt es Fragen, die geklärt werden müssen. Zum einen wird der Bundespräsident bald das Gesetz unterzeichnen, durch das für die Europawahl zukünftig die 3-Prozent-Hürde gelten soll, nur dagegen wollen die ÖDP und die Freien Wähler klagen. Warum? Weil es bei der Europawahl nicht um die Bildung einer Regierung geht (was ich letztlich schade finde, wenn das anders wäre, wären einige Probleme gelöst, siehe Gastbeitrag von Armin Nassehi in der SZ). Zum anderen wird von den europäischen Parteien zum ersten Mal ein Spitzenkandidat antreten  (ein lesenswerter Blogeintrag vom @foerderalist), ein Novum, welches den Wahlkampf und die Wahl selbst schon spannender erscheinen lässt.

Das sind alles Punkte, die uns Ende des Jahres beschäftigen werden. Und dann wird aller Voraussicht nach ein ganz anderes Klima in Europa und speziell auch in Deutschland herrschen, das der Krise keinesfalls gestatten wird, einfach nur davon zu fließen.