Schön, hier zu sein!

Kaum zu glauben, aber ich bin heute gestürzt! Ausgerechnet heute! Und hab’s überlebt! Drei Minuten Schmerzen am Knie, Scherze der Nachbarn, ein wenig Straßendreck an der Hose – das war’s. Ohne Sanitäter, ohne Notarzt! Meine Frau hat sich gleich danach scherzhaft meine OP-Wunde am Kopf angeschaut – danach war sie beruhigt. Warum ich das jetzt schreibe? Weil heute ein Jahrestag ist, weil ich vor fünf Jahren schon mal gestürzt bin. Wie genau das geschehen ist und welche Folgen das hatte, hab ich in einem Radio-Feature vor drei Jahren berichtet.*

In Kurzform: Ich habe den ganzen Tag, den 28.9.2008 immer noch gut vor Augen, weiß noch, dass wir am Abend zuvor gefeiert, am Morgen aufgeräumt hatten, dann zur Schule gegangen sind, um dort unsere Stimmen für die Landtagswahl abzugeben. Gegen Abend war ich mit Kollegen der Sendung quer verabredet im Schottenhamelzelt auf dem Oktoberfest. Mein großer Sohn, damals 7 Jahre alt, wollte unbedingt mit – unter Protest hat er mich dann irgendwann doch alleine gehen lassen. Ich traf die Kolleginnen und Kollegen, wir tranken eine Maß Bier im Zelt. Ich hörte auf meinem Walkman die Wahlberichterstattung des Bayerischen Rundfunks. Das Ergebnis hat uns alle verblüfft. Soweit reichen meine Erinnerungen.

Am nächsten Tag stand in der Zeitung:

„Böser Sturz auf Wiesn-Toilette – Ein 38jähriger Münchner ist am Sonntagabend auf der Herrentoilette im Schottenhamelzelt so unglücklich gegen die Pissoirrinne gefallen, dass er lebensgefährliche Kopfverletzungen erlitt. Nach einer Notoperation sind Folgeschäden nicht auszuschließen.“

Welche „Folgeschäden“ habe ich noch? Ich sitze nicht im Rollstuhl, stottere nicht, arbeite wieder als Journalist – mit der Sprache, die ich durch den Unfall verloren hatte. Ich hatte wahnsinniges Glück. Dennoch gärten – auch nach dem Feature – immer wieder Fragen in mir: Wie war ich damals? Wie bin ich heute? Habe ich mich verändert? Eines der wenigen Filmdokumente, die ich fand, entstand in der Hektik unserer Umzugsvorbereitungen. Wir lebten in unserem Haus erst seit anderthalb Monaten, davor in einer kleinen Wohnung. Um die Umzugskisten zu packen kam uns eine liebe Freundin zur Hilfe, sie borgte sich meine Kamera aus:

Gemeint waren die getürkten Dokusoaps im Privatfernsehen, über die ich mich lustig machte. Ob ich heute noch so spielerisch mit dem Umzugsstress umgehen würde, ob ich heute noch über einen solchen Humor verfüge, frage ich mich immer noch … Ich kann nichts garantieren – aber es ist durchaus möglich, dass ich in irgendeiner Form über mein Leben seit dem 28. September 2008 berichten, mein Radio-Feature fortsetzen werde. Ja, vielleicht zählt auch das zu den „Folgeschäden“: Das Bedürfnis, darüber jetzt zu bloggen – an einem Tag wie heute ist das hoffentlich verständlich …

*Zum Titel der Seite: Als ich auf der Intensivstation lag und meine Frau im Nebenraum darauf wartete, an mein Bett gehen zu können, hörte sie zwei Pfleger, die sich auf dem Gang unterhielten. „Wie bringen den Herrn Kopp.“ – „Der ist auf den Kopp gefallen“ scherzte ein Pfleger. Meine Frau konnte darüber nicht lachen.