Kroatien gehört in die EU

Wer zur Zeit die deutschen Medien verfolgt, könnte sich fragen, ob die Kolleginnen und Kollegen überhaupt über die nötige Fachkompetenz verfügen, um über den EU-Beitritt Kroatiens entsprechend zu urteilen: Dieser wird als „nächster Fehler“ bezeichnet, „das nächste Milliarden-Grab„, schon wieder ein „Krisenfall“, den wir uns freiwillig aufbürden. Das Ganze entspricht sicherlich der gegenwärtigen Stimmung in Deutschland. Doch von der dürfen wir uns nicht blenden lassen.

Es ist wirklich nicht zu bestreiten, dass Kroatien enorm verschuldet ist, dass die Arbeitslosigkeit erschreckend hoch ist und dass im ganzen Land immer noch Korruption herrscht. Dennoch: EU-Beitritt bedeutet auf der einen Seite, es wird daran zukünftig gearbeitet. Die (meisten) Auflagen aus Brüssel sind ja nicht komplett sinnlos und viele von ihnen lassen sich nicht annähernd erfüllen, wenn die Kroaten nicht Hilfe aus anderen EU-Ländern suchen.

Zum Beispiel für die Kläranlagen: Sauberes Trinkwasser will die kroatische Regierung, weil es auch die EU will – und wer sorgt für die Technik? Deutsche Unternehmen. Eine Win-win-Situation. Kroaten gewinnen sauberes Wasser, Deutsche gewinnen Aufträge. Thyssenkrupp hatte diese Möglichkeit schon vor 15 Jahren erkannt und startete ein Joint Venture in Belišće, einer Industriestadt nahe der ungarischen Grenze. Und auch davon haben beide Seiten profitiert: Die Deutschen wussten, dort gibt es ausreichend Fachpersonal, die Kroaten wiederum durften mehr Arbeitskräfte einstellen.

Die Chancen, die im EU-Beitritt Kroatiens stecken, scheinen einigen Fachleuten klarer zu sein, als der westeuropäischen Öffentlichkeit. Für Deutschland und andere EU-Ländern wird der Beitritt seinen Sinn erfüllen.

Das Bayerische Fernsehen wird voraussichtlich am 2.6.13 dazu ein TV-Feature der Reihe „nachbarn“ senden.