Das bin ich:

Suchen wir nicht alle nach irgendwas? Nach einer idealen Frau? Oder einem idealen Mann? Nach einem Job, in dem man fürs Nichtstun überbezahlt wird? Nach einem Fußballtrainer, der einem mal saubere Pässe beibringt? Oder zumindest der Gladbacher Borussia? Nach einem Politiker, der die Welt noch versteht? Und dem es scheißegal ist, ob er bei der nächsten Wahl noch Stimmen kriegt? O.K., O.K., ich bremse mich. Will nicht zu politisch werden, ist ja auch nicht so der richtige Ort für so was. Oder doch?

Eigentlich wollte ich ja nur andeuten, was ich gemeint habe mit dem „ganzen Rest” (s. o.). Der Rest lauter Fragen, die es zu beantworten gilt, wenn man versucht, seinen Lebensunterhalt als Journalist zu bestreiten. Und natürlich: Da gibt es die Journalisten, die warten auf Fragen, die ihre Vorgesetzten ihnen stellen, im Auftrag eines fiktiven Publikums. Und die daraufhin pflichtbewusst die entsprechende Antwort finden und sie in einen Bericht kleiden. Aber es gibt auch Journalisten, in denen die Fragen gären und sich gegenseitig bekriegen. Fragen, die amüsieren, deprimieren  und die irgendwann mal raus müssen, wie ein Schrei! Und dann gilt es, diesen Schrei so zu verpacken, dass daraus ein seriöser Bericht wird, der alle Menschen interessieren könnte, ob sie ein solches Geschreie aus dem Alltag schon gewohnt sind oder nicht.

Ja, ich geb′s zu. Auch ich bin ein fragender Journalist. Und hatte für diesen Zweck vor vielen Jahren eine ideale Redaktion gefunden, in der ich – zumindest manchmal – journalistisch „schreien” durfte, was das Zeug hielt. Was zeichnet die Sendung quer denn aus? Dass auf den Putz gehauen wird, dass nichts verheimlicht wird, dass gesagt wird, wenn irgendwas schief läuft. Und zwar so erzählt, dass das Lachen keinerlei Chance hat zu vergehen. Ich hab′s genossen!

Und jetzt? Jetzt hab ich erkannt, dass in mir andere Fragen immer größer wurden. Fragen, die sich mir schon immer gestellt haben und die über Bayern weit hinausgehen. Und ich frage mich ehrlich gesagt, wem es nicht ähnlich geht? Wer fühlt sich in Bayern so sehr daheim, dass er Österreich nicht kennt? Oder Friaul? Oder die pannonische Ebene? Oder die geplante EU-Richtlinie zur Wasserverordnung? Oder die Roma-Problematik in Serbien? Oder den nie zur Ruhe kommenden Nordirland-Konflikt? Oder den Streit um die Homo-Ehe in Frankreich? Oder das Beharren der Weltöffentlichkeit auf die atomare Stromerzeugung? Oder die ewigen ergebnislosen Klimakonferenzen? Oder das Schicksal der … STOPP! Ich schweife ab, sorry!

Was ich sagen wollte: Beruflich habe ich tatsächlich den Job gewechselt, ich arbeite nun für die Europa-Redaktion des Bayerischen Fernsehens. Und das mache ich liebend gerne, nicht zuletzt weil ich an das Projekt Europa glaube. Dabei können beileibe nicht alle meiner Fragen gestellt, geschweige denn beantwortet werden. Und was ich hiermit vorhabe, ist, Letzteres damit zumindest zu versuchen. Ich wünsche viel Spaß auf meiner Seite, und bei jedem Anlass für einen Schrei gilt: Ich nehme alle Kommentare gerne entgegen!